ISO 20022: Rückblick auf das Migrationswochenende 

im Frühjahr 2023

72 Stunden, in denen Geschichte geschrieben wurde

Das Wochenende 18./19. März 2023 stand ganz im Fokus der ISO 20022-Migration im internationalen Zahlungsverkehr. Neben der TARGET2/T2S-Konsolidierung als „Big Bang“ migrierten auch das EURO1-System, SWIFT CBPR+ (Beginn einer Koexistenzphase von MT- und MX-Formaten) und die High Value Payments Systeme von Kanada, Australien und Neuseeland. 

SWIFT erklärte uns gegenüber dazu am 10.3.: „Unsere 72 Stunden, in denen wir Geschichte schreiben, beginnen nächsten Freitag.“ Einige Marktteilnehmer hatten seitens des Zahlungsnetzwerks eine offizielle Mitteilung erwartet, dass man nach dem grünen Licht für TARGET2 den Start der Koexistenzphase bei CBPR+ für den 20. März nochmal bestätigt. Bei SWIFT betonte man auf Nachfrage, dass man schon in der Mitteilung zur Verzögerung der ISO 20022-Migration im Oktober 2022 klargemacht habe, dass es keinen weiteren Aufschub geben werde.

  • Hier die entsprechende Mitteilung von SWIFT vom 27. Oktober 2022. Darin wurde betont: "Gleichzeitig geht aus dem Feedback unserer Community hervor, dass es in der gesamten Branche eine starke Dynamik gibt, um ISO 20022 Rich Data zu implementieren und daraus einen Nutzen zu ziehen, so dass das revidierte Startdatum 20. März 2023 endgültig ist."


  • Was passiert eigentlich genau bei der T2/T2S-Konsolidierung in Form eines "Big Bang"? Welche Risiken bestehen? Das erklärt DPS-Partner Carsten Lange im Finanz-Szene Podcast.




  • Auch die Einführung in Australien und Neuseeland ist auf den ISO 20022-Zeitplan von SWIFT abgestimmt. Am 20. März 2023 begann eine fast zweijährige Koexistenz zwischen den derzeitigen MT-Nachrichten von HVCS und den neuen MX-Nachrichten.


 

So verlief die Migration

Die TARGET2 / TARGET2Securities-Konsolidierung verlief auf Seiten der EZB problemlos. Am Abend des 20.3. hieß es von der Zentralbank: "Alle Migrationsaktivitäten wurden erfolgreich abgeschlossen. Das neue T2-System ist voll funktionsfähig und arbeitet normal." Das Eurosystem bedankte sich bei allen an der Migration beteiligten Akteuren.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (21.3.) zitierte das Vorstandsmitglied der Bundesbank, Burkhard Balz, wie folgt: "Ich freue mich, dass die Migration auf das neue T2-System erfolgreich verlaufen ist. Mit dem neuen System hat das Eurosystem eine langfristig leistungsfähige Infrastruktur für den europäischen Zahlungsverkehr sichergestellt." Eine Herkulesaufgabe für die gesamte europäische Bankengemeinschaft sei geschafft, so Balz weiter. "Nach mehr als sechs Jahren intensiver Arbeit haben wir T2 als Nachfolger von Target 2 erfolgreich in Betrieb genommen."

Aus den wenigen öffentlichen Verlautbarungen der angeschlossenen Finanzinstitute lässt sich schließen, dass die T2/T2S-Konsolidierung und die ISO 20022-Migration bei SWIFT ebenfalls weitgehend problemlos verlief. "Für so eine komplexe Umstellung gab es marginale Probleme", zitierte "Der Treasurer" (23.3.) Norbert Hambloch, Berater des Zahlungsdienstleisters Geva Group und Mitglied des Verbands Deutscher Treasurer (VDT). In einer kurzen Mitteilung auf LinkedIn konstatierte die Commerzbank: "Wir haben unseren Zahlungsverkehr erfolgreich auf den ISO 20022 Standard umgestellt." Die Privatkunden des Instituts haben demnach nichts von der Umstellung gemerkt, da man "die erforderlichen Anpassungen vorgenommen" habe.

Einer der größten europäischen Zahlungs- und Transaktionsdienstleister, Worldline, gab dann in einem Blog-Beitrag einen ausführlicheren Rückblick auf die T2/T2S-Konsolidierung. Am 20. März habe der eigene SEPA-Clearing- und Abwicklungsmechanismus (CSM) die Bestätigung von TARGET2 erhalten und sei erfolgreich gestartet. Weiter hieß es: "Insgesamt wurden an diesem Tag 16,5 Mio. Transaktionen mit einem Wert von 10,2 Mrd. Euro nahtlos verarbeitet." Die weitere Verarbeitung sei dann ebenso erfolgreich verlaufen, "ohne dass es zu Verzögerungen oder Zwischenfällen aufgrund der Umstellung gekommen ist".


Positiver Domino-Effekt in Sachen ISO 20022: Federal Reserve und Bank of England forcieren Tempo

Vor dem Hintergrund der ISO 20022-Migration in Europa (TARGET2, EURO1) und dem zeitgleichen Beginn der MT/MX-Koexistenzphase bei SWIFT CBPR+ forcierten auch die US-Notenbank Fed und die Bank of England (BoE) das Tempo bei ihren Zahlungsverkehrsprojekten.
Zuerst kündigte die BoE Anfang an, dass CHAPS (Datenfernübertragungs- und Verrechnungssystem in Pfund Sterling oder Euro) und das Echtzeit-Bruttoabrechnungssystem (RTGS) der Bank am 19. Juni 2023 auf den Nachrichtenstandard ISO 20022 umgestellt werden. Folgend teilte dann auch die Federal Reserve mit, dass ihr lange erwartetes, neues Echtzeitzahlungssystem FedNow im Juli 2023 seinen Betrieb aufnehmen soll. FedNow setzt ebenfalls auf den Standard ISO 20022. Daher dürfte auch der internationale Zahlungsverkehr von höheren Adaptionsraten profitieren.